17.03.2016 - 19.00 Uhr

Im Rahmen unserer diesjährigen Ausstellung präsentieren wir Werke des Künstlerduos „Lecker & Heiß GbR“ – Karla Helene Hecker und Levke Leiß -  in den Räumen unserer Kanzlei.

Wenn nicht auf den ersten, so doch spätestens auf den zweiten Blick ist Lecker & Heiß ein ungewöhnliches Künstlerinnenpaar. Zunächst, auf den ersten Blick, fühlt sich der Betrachter beruhigt: Ihre „figurative Kunst“ erscheint ihm als etwas, das er an seine unmittelbare Lebenswelt anknüpfen kann, als etwas, das er ohne Weiteres zu verstehen in der Lage wäre, es erscheint ihm als Wiedererkennbares. Doch dieser erste Eindruck bricht sich spätestens beim zweiten, aufmerksamen Hinschauen: Die atemberaubend farbigen Bilderwelten ziehen ihn ganz in seinen Bann, entwickeln rätselhafte Szenarien in farblicher Brillanz und technischer Akkuratesse und lassen ihn ein wenig ratlos zurück. Gleichgültig ob im Format des altmeisterlichen Ölgemäldes oder im Format des delikaten Kabinettbildchens: Die so verschiedenen anmutenden Stücke eint – auch das offenbart der zweite Blick – ein präziser, langwieriger Arbeitsprozess. Die Bilder entstehen entweder in der akademischen Tradition der Lasurmalerei, in der eine Ölschicht über die nächste gelegt wird, oder in seiner adaptierten Variante, in der mit Buntstift eine Farbschicht über die nächste aufgetragen wird.

Es ist recht ungewöhnlich, dass es dieser Tage eine Zusammenarbeit geben kann, wie sie bei Lecker & Heiß besteht. Sicher, es gibt Künstlergruppen oder sogar Kollektive, die unter einem Programm für ein oder zwei Jahre an einem Thema arbeiten und in gemeinsamen Ausstellungen die mehr oder weniger kohärenten Ergebnisse. Dennoch bleiben in diesen Kollektiven die Arbeiten in der Hand des einen Künstlers. Es mag eine inhaltliche Kooperation geben, aber nie eine tatsächliche, auf das Werk bezogene Zusammenarbeit. Der in der frühen Neuzeit gründende moderne Mythos des Künstlers bewahrt sich bis heute: Die Helden der Moderne, sie sind allesamt als extravagante, launische oder pekuliäre Persönlichkeiten wahrgenommen und beschrieben worden, die aber gerade dadurch ihren Ruhm umso mehr steigern konnten. Diese Mythen des Künstlers lassen sich ohne Probleme auf die Ikonen der Populärkultur anwenden: Elvis Presley, John Lennon, Michael Jackson, sie alle eint der Hype um ihre Person. Hinter all diesen riesengroßen –ich erlaube mir festzustellen– männlichen Egos der Geschichte der Künste verbirgt sich unser Erstaunen und unser Unglauben darüber, dass es eine künstlerische Zusammenarbeit geben kann, wie Sie sie ab heute präsentieren. Die Verwunderung darüber rührt daher, dass unserer Vorstellung das Künstlerego eben ein „ICH“ ist und kein „Wir“, ein Ego, das so das andere nicht – oder nur für begrenzte Zeit duldet.

Karla Helene Hecker und Levke Leiß kennen sich so gut, wie vermutlich wenige Menschen sich kennen. Und doch sind sie sehr gegensätzliche, sehr starke Persönlichkeiten. Die Harmonie dieser beiden starken Frauen gründet in einer wechselseitigen Bewunderung für die Arbeiten der jeweils anderen, die auf die frühsten Jahre an Akademie in Dresden zurückgeht, in der sie sich ein Atelier teilten. Genauigkeit, Technik, Leidenschaft, Perfektionismus; eine intensive Anteilnahme am Heute, am Hier und Jetzt, in Gesellschaft, Politik und Kunst; ein unglaublicher und sehr eigener Sinn für Humor; und ein unprätentiöser messerscharfer Intellekt: Dieses eint die beiden so künstlerisch unterschiedlichen Frauen. Nicht zuletzt macht dies ihr Name, Lecker & Heiß, deutlich: Chiastisch verändert werden die beiden Nachnamen Hecker und Leiß zu einem Alter-Ego, der einerseits ihre Themen und Perspektiven selbstironisch kommentiert, andererseits den Wortwitz und Esprit köstlich auf den Punkt bringt.

Die Vielzahl an Bezügen, sei es tagespolitischer Art, seien sie gesellschaftlicher Art oder seien es Beobachtungen und Kommentare zu elementaren zwischenmenschlichen Themen, Levke Leiß und Karla Helene Hecker bringen in ihren Bildern, den gemeinsamen wie den einsamen, eine Liebe zu Detail und Beobachtung hervor, die den Betrachter in eine intensive Kommunikation mit dem Bild und zurück zu sich führt. Die sich aufbauende Spannung der Vielzahl an Bedeutungsschichten korrespondiert wunderbar mit dem künstlerisch technischen Entstehungsprozess der Werke: Schicht für Schicht, Layer für Layer, wird man angestachelt sich durch das Dickicht der Bedeutungen vorzuarbeiten – um dann ernüchtert festzustellen, dass ein vollendes Verstehen schlicht nicht möglich ist. In dieser Ausstellung ist man als Betrachter wunderbar gefordert: Mit Scharfsinn, Assoziation und Imagination, so lassen sich die Werke von Frau Hecker und Frau Leiß alias Lecker & Heiß am besten genießen.

(von: Katharina Hiery)

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