Ernst-Günther Hansing

10.04.2008 - 19.00 Uhr

Wer sich mit Hansings Werken auseinander setzt, darf mit zweierlei nicht geizen: Mit Zeit und Geduld. Hansings Bilder wollen mit Sorgfalt in allen Einzelheiten durchmustert sein, denn in den Einzelheiten liegt der Schlüssel zu ihrem Verständnis, sagt Prof. Wilfried Hansmann.

Ernst Günter Hansing ist in der Kunstwelt bekannt als Maler und Zeichner von Menschen mit oft berühmten Namen. Bildnisse dieser Art haben bei Hansing nichts mit äußerlicher Repräsentation zu tun. Der Künstler sucht „Innenbilder“ von Menschen zu gestalten. In solche „Innenbilder“ bringt er oft Formelemente seiner abstrakten Kompositionen ein. Abstraktionen als Malerei und Grafik, als Wandreliefs, Glasfenster und als Raumplastiken haben einen mindestens ebenso gewichtigen Anteil in Hansings Schaffen wie das Porträtwerk. Der Schwerpunkt dieser Ausstellung liegt deshalb auch auf Abstraktionen. Aber auch Hansings Porträtwerk ist in repräsentativen Beispielen vertreten.

Ernst Günter Hansing wurde 1929 in Kiel geboren. Der Zweite Weltkrieg verschlug die Familie zunächst in den Osten. Die Erlebnisse Flucht und Tod verfolgten ihn noch viele Jahre. Malen war für ihn eine Art Ventil, um das Erlebte zu verarbeiten. Seine Berufung war die Malerei, die er als Autodidakt betrieb. Fasziniert war er vom Expressionismus Emil Noldes, den Hansing besuchen durfte und der ihn ermutigte, seinen Weg weiterzugehen, denn er habe zweifellos Talent. Auch ein anderer Großer der Malerei des 20. Jahrhunderts, Oskar Kokoschka, ermutigte den jungen Hansing zum Künstlertum.

Zeugnisse für die Kunstauffassung des Dreiundzwanzigjährigen sind das Aquarell und das Ölbild „Vor einer nordischen Stadt (Flensburg)“. Drei Kirchtürme geben der Formen- und Farbendramatik Halt. Wir erleben eine von schrecklichen Erinnerungen aufgewühlte Malerei, in ihrer Expressivität aber keineswegs unbeherrscht. Die Kunst Noldes und Kokoschkas mag die Bildkomposition beeinflusst haben.
Fünf Jahre später ordnen sich die Bildelemente zu linearen und kreisenden Rhythmen. Noch immer sind die Kirchen auszumachen, aber sie treten in der Gewichtung zurück. Wesentlich sind nicht mehr Perspektive und die Andeutung von Häuserfluchten, Gebäuden und Bäumen, sondern ihre Abstraktion in klar umgrenzte Farbelemente und deren Bezüge zueinander.
Was ist die tiefere Ursache für die Wandlung im Kompositionsvermögen des Künstlers? Zweifellos Hansings intensiver Unterricht bei Fernand Léger in Paris in den Jahren 12952/1953. Dieser nannte die Ausdrucksweise des jungen Malers „stark deutsch und expressiv“. „Das machte Léger geradezu nervös“, erzählte Hansing. Léger legte Hansing nahe, sich mehr um Form und Komposition zu kümmern und weniger zu psychologisieren, wie es die Deutschen liebten. Diese Sichtweise Légers verinnerlichte Hansing, ahmte aber keineswegs die Sprache Légers nach, sondern fand seine eigene.

Abstraktionen. Die Kunstgeschichte versteht grundsätzlich darunter darstellungsfreie Kunst. Für Hansing ist Abstraktion eine Möglichkeit, Bedeutungen zu visualisieren: etwa in seinem leitmotivischen Thema der „Kosmischen Erscheinungen“. Viele seiner Gemälde mit diesem Thema vermitteln den Eindruck, als teile sich dem Auge unmittelbar das Wirken des Weltenschöpfers mit. Kompositionen solcher Art zeugen von Sensibilität für das Religöse. Hansing bekennt sich als Christ der alten Kirche. Ohne diese persönliche Hinwendung hätten seine Kreuzweg- und Christusbilder nicht entstehen können, auch nicht seine Glasfenster in einer Reihe von Gotteshäusern in Norddeutschland und in Rom Viele Hansing-Porträts sind durch Abstraktionen geprägt. Abstraktion bedeutet für Hansing auch Weglassen.
Ein Meisterwerk des Weglassens ist die inzwischen „klassisch“ gewordenen Bildnisstudie Konrad Adenauers. Nur Stirn, Augen, Nase und Mund sind mit sparsamen Linien hingeschrieben: Ein Gesichtsstenogramm, das auf Konturen verzichtet, um Wesentliches hervorzuheben. Die Augen fixieren kühl abwägend ein Ziel und halten Emotionen unter Kontrolle. Die Linienstrukturen sind Ausdruck für geistige Spannung und äußerste Präsenz.
Abstraktionen sind eindrucksvoll gelungen auch in den Bildnissen Marc Chagalls. Es wird schnell deutlich, was Hansing an Chagalls Gesicht so fesselte: die Erscheinung eines Fabelwesens, dem etwas Schwebendes, Märchenhaftes eignet. Geblieben von dieser ersten Gesichtserkundung sind die tierhaft fixierenden Augen, die Faunsnase und der zu einem Grinsen in die Breite gezogene Mund. Mit sparsamen, vollendet geformten Farbzügen in Weiß und vereinzelt Rot taucht das Gesicht des Traumwesens aus dem schwarzen Grund in kristalliner sorgfältig detaillierter Abstraktion hervor. Alles an gemalter Struktur hält die Komposition in der Balance.

Chagall war als Maler ein Märchenerzähler. In Hansings Bildnissen ist das Wesen des Märchenerzählers, der in Traumwelten versetzt und selbst dieser Traumwelt anzugehören scheint, ausdrucksstark durch die Kunst der Abstraktion veranschaulicht.

Mehr über den Künstler erfahren Sie auf www.hansing-art.de

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