4.) Pflichtteil: Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es?

Prinzipiell ist ein privatschriftliches Testament ebenso wirksam wie ein notarielles. Es fehlt jedoch die Beratung über notwendige Inhalte und Formulierungen – gerade auch im Hinblick auf mögliche Pflichtteilsansprüche. Die Angst vor zusätzlichen Kosten ist meist insoweit unbegründet, als bei einem privatschriftlichen Testament später, dh. nach dem Todesfall, entsprechende Kosten für den Erbschein anfallen, der im Falle eines notariellen Testaments entbehrlich ist.

a) Falsche Vorstellungen vom Erbrecht?
Schließlich bestehen insbesondere im Hinblick auf das Pflichtteilsrecht vielfach falsche Vorstellungen vom gesetzlichen Erbrecht wie folgt:

  • Kinderlose Ehegatten aber auch Ehegatten mit einem Kind gehen oft davon aus, dass der längstlebende Ehegatte automatisch, d.h. gesetzlich Alleinerbe ist. Tatsächlich steht der Ehegatte ggf. in Erbengemeinschaft mit den einseitigen oder gemeinsamen Kindern.
  • Ehegatten, die sich gegenseitig zum alleinigen Erben und die gemeinsamen Kinder zu Schlusserben einsetzen, ist schwer zu vermitteln, dass die Kinder beim Tode des Erstversterbenden von dem Längstlebenden den Pflichtteil verlangen können. Die Gütertrennung führt zu einer höheren Pflichtteilsquote beim Vorhandensein von mehr als einem Kind.
  • Dem Erblasser ist häufig nicht bekannt, dass er zwar die Personen, die gesetzliche Erben sind, insbesondere den Ehegatten und die Kinder, ohne jede Voraussetzung enterben kann, ihnen aber das Pflichtteilsrech bleibt. Auch ein persönliche Zerwürfnis ist kein Grund zur Entziehung des Pflichtteils. Nur in äußert selten Ausnahmefällen wird ein Grund zur Entziehung des Pflichtteils gesetzlich gegeben sein.
  • Die Höhe des Pflichtteils (Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils) ist nicht bekannt, ebenso, dass der Pflichtteilsanspruch erst mit dem Erbfall entsteht (also nicht bereits zu Lebzeiten geltend gemacht werden kann) und auf Zahlung von Geld gerichtet ist. Oftmals ist unbekannt, dass der Berechtigte seinen Pflichtteilsanspruch geltend machen kann, ihn aber nicht geltend machen muss. Haben Ehegatten, die im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, ein Kind und setzen Sie sich gegenseitig zum Alleinerben ein, so kann das Kind von dem längstlebenden Ehegatten den Pflichtteil in Höhe der Hälfte des Wertes seines gesetzlichen Erbteils verlangen. Gesetzlich ist das Kind zur Hälfte der Erbschaft berufen, so dass sein Pflichtteil ¼ des Wertes des Nachlasses zur Zeit des Erbfalls ausmacht. Sind zwei Kinder vorhanden, wären sie nach der gesetzlichen Erbfolge zu je ¼ Anteil berufen,
  • jedem Kind steht daher ein Pflichtteil in Höhe von 1/8 des Wertes des Nachlasses des Erblassers zu. Haben die Ehegatten Gütertrennung vereinbart und ist ein Kind vorhanden, beträgt sein Pflichtteil unverändert ¼ des Nachlasses. Sind dagegen zwei Kinder vorhanden, beträgt das Pflichtteilsrecht für jedes Kind 1/6, bei drei Kinder je 1/8 des Nachlasses. Die Gütertrennung führt also bei Vorhandensein von zwei oder mehr Kindern nicht nur zu einem höheren gesetzlichen Erbteil der Abkömmlinge, sondern entsprechend auch zu einer höheren Pflichtteilsquote. Ist die Ehe kinderlos, steht den Eltern ein Pflichtteil zu (jedoch nicht deren Abkömmlingen, d.h. den Geschwistern des Erblassers). Da der überlebende Ehegatte neben den Eltern des Erblassers gesetzlich zu ¾ (bei Zugewinngemeinschaft) berufen ist, beträgt der Pflichtteil 1/8 des Nachlasses.
  • Den Eltern des Erblassers steht das Pflichtteilsrecht nur zu, wenn der Erblasser keine Abkömmlinge hat. Hat der Erblasser keine Abkömmlinge, steht den Geschwistern nach dem Tode der Eltern kein Pflichtteilsrecht zu.
  • Hinterlässt der Erblasser mehrere Erben, wird der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen der Erben, die bis zur Auseinandersetzung, also bis zur Realteilung des Nachlasses, über einen Nachlassgegenstand nur gemeinschaftlich verfügen können und den Nachlass bis zu diesem Zeitpunkt gemeinsam verwalten. Will der Erblasser bestimmte Nachlassgegenstände einem Erben zuweisen, muss er dies durch letztwillige Verfügung anordnen (z.B. Vermächtnis). Eine gegenständliche Vererbung ist ausgeschlossen.

Kontaktdaten

Rechtsanwälte & Notare
Steinhusen Thiele Christiansen
Öffnungszeiten
Stuhrsallee 27
24937 Flensburg

Tel.:    0 461 - 146 00 - 0
Fax.:   0 461 - 146 00 - 99
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Montags - Donnerstags
8:00 - 18:00 Uhr
Freitags
8:00 - 16:30 Uhr

Besprechnungstermine
nach Vereinbarung.