Vorstehende Erläuterungen geben nur eine ganz grobe Handreichung; im Detail sind die gerichtlichen Berechnungswege oft weit komplizierter. Insbesondere wird weiter differenziert zwischen prägendem und nicht prägendem Einkommen, und es werden unterschiedliche Berechnungsmethoden angewendet (Anrechnungsmethode, Quotenbedarfsmethode, Differenzmethode, Additionsmethode). Nähere Erläuterungen hierzu enthält die Düsseldorfer Tabelle mit Berechnungsbeispielen. Diese und die Fundstellen der Leitlinien anderer Familienrechtssenate (z.B. der für Bayern maßgeblichen „unterhaltsrechtlichen Leitlinien der Familiensenate in Süddeutschland“ finden Sie im Internet unter „www.famrz.de“.

Genügt das Einkommen zur Deckung des Bedarfs aller Unterhaltsberechtigten nicht (wäre also der Selbstbehalt als notwendiger Eigenbedarf unterschritten), ist die zur Verfügung stehende Verteilungsmasse auf die Unterhaltsberechtigten im Verhältnis ihrer jeweiligen Bedarfssätze zu verteilen.(Mangelfall).

Einkommensveränderungen nach der Scheidung werden nur insoweit berücksichtigt, als sie bereits während der Ehezeit angelegt waren, es sich also z.B. um vorhersehbare Einkommenssteigerungen im Rahmen der allgemeinen Tarifanpassung handelt. „Gehaltssprünge“ etwa aufgrund einer später erst aufgenommenen Zusatzausbildung oder ähnlichem führen also regelmäßig nicht zu einer Neuberechnung. Einkommensrückgänge, die nicht auf einer Verletzung der Erwerbsobliegenheit oder auf freiwilligen Dispositionen des Unterhaltspflichtigen beruhen, und auf die sich beide Ehegatten auch bei fortbestehender Ehe hätten einstellen müssen, werden allerdings erfasst.

Die Pflicht zur Aufnahme oder Erweiterung einer Erwerbstätigkeit ist im Bereich des nachehelichen Unterhalts stärker ausgeprägt als während des Trennungsunterhalts. Betreut der Ehegatte ein oder mehrere gemeinsame Kinder, ist er bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des jüngsten Kindes regelmäßig zu keiner Erwerbstätigkeit verpflichtet; nach Vollendung des dritten Lebensjahres ist er grundsätzlich verpflichtet, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, es sei denn dieses wäre unbillig (wenn beispielsweise keine Betreuungsmöglichkeiten für das Kind/die Kinder vorhanden sind). Hier kommt es auf den jeweiligen Einzelfall an.

Unterhalt wegen Aus- oder Fortbildung bzw. Umschulung kann verlangt werden, wenn eine Ausbildung bereits während der Ehezeit mit Zustimmung des anderen Ehegatten begonnen wurde oder sie aufgrund der Eheschließung abgebrochen wurde. Eine Umschulung oder Weiterbildung in einem neuen Beruf ist aber regelmäßig nur dann auf Kosten des unterhaltspflichtigen Ehegatten gestattet, wenn sonst keine angemessene Erwerbstätigkeit gefunden werden könnte.

Im übrigen aber muss der geschiedene Ehegatte gemäß § 1574 Abs. 1 BGB eine ihm angemessene Erwerbstätigkeit ausüben. Maßgeblich sind im Einzelfall Ausbildung, Alter, Gesundheit, Dauer der Ehe, Dauer der Erziehung gemeinsamer Kinder, früherer Lebensstandard. Gegebenenfalls kann auch ein Arbeitsplatzwechsel geschuldet sein, allerdings braucht ein sicherer Arbeitsplatz nicht zugunsten einer unsicheren, wenn auch mit höherem Verdienst verbundenen Tätigkeit aufgegeben zu werden.

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