Die nur scheinbare Vermögensmehrung, die aufgrund der Inflation (Geldentwertung) eintritt, wird beim Vergleich des Anfangs- und Endvermögens herausgerechnet, indem der Preisindex für die Lebenshaltung, der vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht wird, verglichen wird. (Beispiel: Beträgt das Anfangsvermögen EUR 30.000,00, das Endvermögen zehn Jahre später EUR 50.000,00, würde aber aufgrund der Geldentwertung dem Betrag von EUR 30.000,00 nach zehn Jahren ein Betrag von EUR 42.000,00 entsprechen, ist der tatsächliche Zugewinn nur EUR 8.000,00, nicht EUR 20.000,00.)

Um den ausgleichsberechtigten Ehegatten davor zu schützen, dass der andere Ehegatte durch Schenkungen, durch Verschwendung oder sonstige Vermögensverschiebung die Ausgleichsforderung vermindert, wird dessen Endvermögen gemäß § 1375 BGB um solche Werte erhöht.

Auf die Ausgleichsforderung eines Ehegatten wird angerechnet, was er vom anderen Ehegatten durch lebzeitige Schenkung mit der Bestimmung erhalten hat, dass es gegebenenfalls eine Vorausleistung auf künftige Zugewinnausgleichsansprüche sein solle (§ 1380 BGB). Dadurch soll verhindert werden, dass der beschenkte Ehegatte das vom anderen Ehegatten erhaltene Vermögen verschleudert und anschließend den vollen Zugewinnausgleich fordert.

 

II. Möglichkeiten der Modifizierung des gesetzlichen Güterstands durch Ehevertrag

Der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft hat sich in der Praxis insbesondere für die reine „Hausfrauenehe“ bewährt. In vielen Fällen, etwa bei Doppelverdienerehen, bei Vorhandensein von Immobilien und/oder Betriebsvermögen, bei überschuldeten Ehegatten etc ist allerdings eine Korrektur durch Ehevertrag erwägenswert. In Betracht kommen zum Beispiel:

  1. Regelungen, wonach die Verfügungsbeschränkungen (Zustimmungspflicht bei Verfügung über das überwiegende Vermögen) aufgehoben oder zumindest für einzelne Gegenstände abgeschafft werden, z. B. für das Unternehmen eines Ehegatten oder für dessen Grundbesitz
  2. Änderungen des Zugewinnausgleichsverfahrens, etwa indem ein negatives Anfangsvermögen berücksichtigt wird oder die Ausgleichsforderung nicht die Hälfte, sondern lediglich ein Drittel des Mehr-Zugewinns beträgt, oder aber Regelungen, die eine Stundung der Ausgleichsforderung bewirken.
  3. Häufig wird auch die Ermittlung des Anfangs- oder Endvermögens abweichend geregelt, etwa indem für Gewerbebetriebe nicht der echte Verkehrswert, sondern nur der steuerliche Buchwert angesetzt wird, oder aber indem einzelne Vermögensgegenstände gänzlich aus dem Zugewinnausgleich herausgenommen werden, z. B. im Anfangs- und Endvermögen mit dem gleichen Wert zu berücksichtigen sind. Dies geschieht z. B. oft bei Unternehmensanteilen, aber auch bei ererbten bzw. durch Schenkung erworbenem Grundbesitz. Die genaue Regelung solcher Modifikationen erfordert einen hohen Aufwand: Was geschieht z. B., wenn das „privilegierte“ Vermögen verkauft wird und damit eine andere Wohnung erworben wird ? Bleibt die Wertsteigerung jener anderen Wohnung ebenfalls unberücksichtigt, oder handelt es sich nunmehr um ausgleichspflichtiges Vermögen? Was geschieht, wenn ein Ehegatte z. B. kurz vor der Scheidung aus seinem an sich ausgleichspflichtigen Privatvermögen Investitionen in den Betrieb tätigt und damit dieses Geld neutralisiert ? Schuldet ein Ehegatte auch dann Ausgleich, wenn er nur aufgrund der Nichtberücksichtigung von Vermögen beim anderen Ehegatten mehr Zugewinn erzielt hat, obwohl tatsächlich doch der andere Ehegatte, z. B. der Unternehmer, sehr viel mehr Zugewinn hat, würde man nur das Unternehmen ebenfalls berücksichtigen?

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